1. November – Monatsimpuls der Seelsorgebereiche Alfter-Bornheim


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Bornheim / Alfter, 2.11.2022

Wussten Sie, dass …

Da ist er gekommen, der November ganz leise, aus den so ungewöhnlich spätsommerlichen Tagen des Oktobers, ist dieser doch eigentlich Inbegriff der dunklen Jahreszeit, mit dem wir Sturm, Nebel, Novemberregen, Kälte, Trauer und Totengedenken verbinden. Und gleichzeitig erwarten wir im November das funkelnde Sternenmeer des Raureifs am Morgen, den Zauber der Morgenröte, der aus dem Nebel steigt, die beißende Kälte, die erfrischt, dankbare Erinnerung, die uns wärmt, wenn die Hoffnungslichter auf den Gräbern unserer Familien tanzen, verbunden mit Momenten des inneren Aufwärmens bei einer Tasse Lieblingstee, einem gemütlichen Kaminfeuer und Zeit für ein gutes Gespräch.

Heute Morgen, ganz früh und pünktlich zum 1. November, brauste ein kräftiger Wind, wirbelten die bunten Blätter ums Haus – der Himmel novemberblau, federngleiche Engelswolken, das Leuchten der Morgensonne tauchte die in den letzten Tagen immer kahler werdenden Bäume in sanft goldenes Licht – was für ein Auftakt.

Wenn die Blätter endgültig gefallen sind, habe ich nicht selten das Gefühl, in einem wunderschönen Schattenwald unterwegs zu sein, die hellen und dunklen Nuancen so klar wie in einem Scherenschnitt. Wenn sich dort die so eigene Schönheit und Vielfalt der Strukturen der Bäume widerspiegelt, dann weiß ich, warum ich den November so liebe. Vielleicht ist es das Weniger und nicht das Mehr, das mich so fasziniert, wenn der Baum einfach so ohne alles dasteht – reduziert auf die bizarren Linien seiner Wurzeln, des Stammes, der Äste und der Baumkrone, die sich von ihrer Umgebung eindrucksvoll abhebt. Ich mag dieses Baumbild oder Schauspiel sehr, es ist ein würdevoll schlichtes und dennoch königliches – am liebsten, wenn es langsam aus einer märchenhaften Nebelwand auftaucht, wie aus einer Anderswelt: Alte Baumriesen, malerisch und bizarr gedreht. Sie haben so viel Ähnlichkeit mit dem Menschen. Individuell in der Gestalt, brauchen sie Wurzeln, wachsen sie von innen und verwandeln unseren Atem zurück in den so lebensnotwendigen Sauerstoff. Das macht sie so anziehend – der Baum und ich – wir geben und nehmen einander, und ich spüre, dass ich ihrem Wesen begegnen darf, ihrem inneren Leuchten, dem, was im Frühjahr und Sommer die Pracht der Blüte, und dann Früchte trägt, und mit dem November so klar und deutlich zum Vorschein kommt. Für mich sind sie Wegzeichen einer Botschaft, auf das Wesentliche zu schauen, auf das, was mich frei macht, mir Richtung und Kraft gibt.

Ich durfte vergangenen Samstag mit den Senioren in St. Matthäus, Alfter, Gottesdienst feiern. Ich kam mit einer alten Dame über den Herbst und die verkannte Schönheit der dunklen Jahreszeit ins Gespräch. Sie sagte mir, es ist die Zeit, wo das Wesentliche der Schöpfung zum Vorschein kommt. Schöner kann man es doch kaum zusammenfassen. Für mich – ein Moment der Schöpfung selbst, den ich miterleben darf. Damit hatte sie mich berührt, und ich spinne den Faden weiter, und es scheint angesichts kahler Bäume ein Paradoxon:

Foto: pixabay – lizenzfrei

Der kahle Herbstbaum – er leuchtet Leben, schenkt mir Hoffnung, macht mich frei.

In einem Gebet, einem Song, der mich dieser Tage begleitet und berührt heißt es:
Licht dieser Welt, du strahlst in unserer Nacht auf, leuchtest den Weg, lässt mich sehn – Herr, deine Schönheit lässt mich anbeten …

Im November ist weniger mehr.
Seien Sie behütet in allem, was ist.

Ihre / Eure Ute Trimpert, Gemeindereferentin,
für das Seelsorge- und Pastoralteam des Sendungsraums in Bornheim und Alfter

Weitere Informationen finden Sie unter
www.kath-kirchen-bornheim.de,
www.baruv.de,
www.pfarreiengemeinschaft-alfter.de und
www.sanktevergislus.de.